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Karfreitag

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun.

Selten, nein, noch nie hat mich dieser Satz so getroffen wie heute.

Nie habe ich diese Worte so verstanden wie heute.

Nie waren sie mir so deutlich.

 

Sie wissen es nicht.

Und vergeben ist das einzige, was getan werden kann.

Das einzige, das Sinn macht.

Das einzige, das hilft, das heilt, das erlöst.

 

Sie wissen es nicht.

Sie verurteilen, sie kreuzigen, sie bemächtigen sich. 

Sie glauben im Recht zu sein und handeln aus vollkommener Unwissenheit.

Sie handeln aus Angst vor Machtverlust und Wahrheit.

Sie handeln der Liebe entgegen unter dem Deckmantel von Fürsorge und Verantwortung.

Doch niemand kann Verantwortung für mich übernehmen.

 

Und selbst wenn ihr meinen Körper tötet, mich könnt ihr nicht töten, denn ich bin das ewige Leben.

 

Sie wissen es nicht.

Wissen nicht, dass jeder Mensch mein Bruder ist, meine Schwester.

Dass jeder Mensch das ewige Leben ist.

Dass Menschsein nicht Schuld bedeutet sondern Vergebung, nicht Angst vor dem Nächsten sondern Liebe für den Nächsten, nicht Einsamkeit sondern Gemeinsamkeit.

 

Sie wissen es nicht.

Darum, bitte, vergib ihnen.

Und ich möchte mich üben zu vergeben.

Zuallererst mir selbst.

Ich breite meine Arme aus und gebe mich hin.

Ich breite meine Arme aus und öffne mich.

Dir und mir und dem Leben.

Dir und mir und dem Sein.

Dir und mir und dem Wissen um den Frieden, der in allem liegt.

Dir und mir und der Liebe, die in allem ist.

Es gibt keine Schuld.

Es gibt keine Angst.

Es gibt nur das ewige Leben.

Es gibt keinen Tod, von dem auferstanden werden kann. 

Es gibt kein Ende des Lebens.

Es gibt keine Zeit.

Es ist bereits vergeben.

Ich bin frei.

 

© Inelle C. Fuxius

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